Bleib stehen.

Heute ist einer dieser Tage, die grau und verregnet sind.

Regenwolken hängen am Himmel, die Tropfen perlen die Fensterscheiben runter und ich bin melancholisch.

Eine Playlist mit passender Musik ist schnell gefunden.

Auf der Couch zu liegen scheint mir das Einzige, was gerade möglich ist.

Während ich da so liege kommen Gedanken ... die möchte ich mit euch teilen:

 

 

Finde deine Bestimmung, lebe deinen Traum, geh reisen, erschaffe dein Herzensbusiness, etc. Sobald ich die Sozialen Medien öffne, kommt mir irgendeiner dieser Sätze entgegen - in vielfältiger Form. Ich fühle mich oft wie in einem Film. Kennt ihr diese Szene, wo ein Bürgersteig gezeigt wird, wo viele Menschen geschäftig hin und her laufen und mittendrin bleibt jemand stehen? So fühle ich mich. Ich bleibe stehen.

 

Es scheint, als wären so viele Menschen auf dem Weg sich selbst zu finden. Dazu gehört neuerdings auch die eigene Bestimmung zu leben. Versteht mich nicht falsch, ich finde es großartig, wenn Menschen das tun. Aber für wie viele von uns ist es tatsächlich gut möglichst schnell eine Selbstständigkeit aufzubauen? Ich bin davor nicht gefeit, die Vorstellung ist ja auch mehr als verlockend. Freie Arbeitszeiten, tun was dir Freude bereitet, Menschen helfen, es gibt viele tolle Gründe. Doch ich halte es für gefährlich. Ja, gefährlich. Wenn wir uns nicht selbst kennen, wie wollen wir das leben?

 

Ich finde es wichtig zuerst stehen zu bleiben. Mich mir selbst zuzuwenden. In mich zu spüren, was da los ist. Mich zu erforschen. Was gefällt mir? Womit umgebe ich mich gerne? Was ist mir im Privaten wichtig? Was im Beruflichen? Schritt für Schritt finde ich heraus, was ich will. Und was zu mir passt.

 

Dieses stehen bleiben, wahrnehmen was JETZT ist - das braucht viel Mut und Stärke. Weil du dich der Realität zuwendest und nicht weiter Wunschvorstellungen hinterherjagst. Und die eigene Berufung finden ist ein toller Wunsch ... doch willst du das wirklich?

Ich kann mich umschauen, andere kritisieren, über sie urteilen, mich aufregen. Menschen sind dumm, tun dummes und wir können dumm drüber palavern. Doch was, wenn wir uns mal ausschließlich um uns selbst kümmern? Wenn wir stehen bleiben?

 

Vor kurzem hat eine Freundin mir gesagt, dass ich immernoch viel im Außen schaue. Was im Job falsch läuft, was in meiner Partnerschaft falsch läuft, was sonst so passiert. Doch es ist Zeit, dass ich schaue, was in mir los ist. All meine inneren Kinder, Programmierungen, Verhaltensmuster ... alles braucht endlich meine Aufmerksamkeit. Und wisst ihr, was ich da anfange zu entdecken? Das Außen entspannt sich. Mein Partner kann tun, was er will. Ein Job, der meinen Bedingungen entspricht taucht auf. Das Wetter erlaubt mir auch mal melancholisch zu sein. Alles ist für mich.

 

Klar war ich anfangs davon nicht begeistert. Immerhin bin ich ja schon seit Jahren unterwegs und dachte schon so viel zu wissen. Über mich, über Menschen, über die Welt wie sie funktioniert, über Berufungen und Bestimmung. Doch im Prinzip ist es egal, was du tust. Solange du komplett da bist. Solange du dich mitnimmst. Und anfängst dich zu lieben.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0